Medien zum Anfassen: Praktikum im Blindenschriftverlag

Ein Bericht unseres Schülerpraktikanten Iason, der unser Team im Januar begleitet und tatkräftig unterstützt hat.

Am 7.1.2020 war mein erster Praktikumstag im Blindenschrift-Verlag in Bonn. Noch etwas müde, ein wenig nervös, aber auch neugierig betrat ich um 7 Uhr die Druckerei.

Da wird man ganz schnell wach. 5 Drucker machen einen Mega Krach. Gehörschutz auf und arbeiten 😊

Doch nicht nur die Lautstärke der Druckerei überraschte mich: Schnell wurde mir klar, wie anstrengend dieser Beruf auch ist, da in der Druckerei auch viel geschleppt werden muss – Papier, Buchdecken, Geräte. Ich dachte, dass viel mehr automatisch von Maschinen erledigt wird. Ein Braillebuch zu machen, ist echt viel Handarbeit: Die Blätter müssen gestanzt, geschnitten und/oder gerissen werden, Buchdecken müssen geplanckt (mit Verschlüssen ausgestattet) werden und Versandkartons müssen gepackt werden. Und das alles super ordentlich. Es war schön, dass ich den Ablauf mitverfolgen konnte und gesehen habe, wie aufwendig das eigentlich ist.

Danach ging es für mich in das Lektorat. Die Mitarbeiter in dieser Abteilung wählen Texte in Schwarzschrift aus, die in Punktschrift übertragen werden. Also hieß es erstmal: lesen, lesen, lesen. Nachdem wir Texte ausgesucht hatten, wurde diese in Word gebracht und an einen blinden Braillebearbeiter geschickt, der den Schwarzschrifttext in Brailleschrift überträgt. Ein zweiter, ebenfalls blinder Kollege, liest diese Arbeit dann Korrektur.

Eine Braillebearbeiterin, Britta Janascke, bringt täglich ihren Blindenführhund Chelsey mit. Unser liebes Büromaskottchen.

Im Büro hatte ich auch noch eine Spezialaufgabe, denn ich sollte kreativ werden und neue Motive für Glückwunschkarten machen. Da ich sehr gut und sehr gerne zeichne, hat mir diese Arbeit sehr viel Spaß gemacht. Ich habe die Motive per Hand gezeichnet und dann am Computer nachbearbeitet. Die fertigen Motive werden dann auf Schwellpapier ausgedruckt. Dabei werden die schwarzen Konturen einer Zeichnung an einem Infrarotgerät (Fuser) aus dem Papier gehoben, so dass man sie ertasten kann. Das nennt sich Schwelldruck. Hatte ich vorher auch noch nie gehört.

Insgesamt hat mir das Praktikum super gefallen. Ich habe einen guten Einblick in das Berufsleben erhalten. Außerdem habe ich viel über die Brailleschrift gelernt.

Und nachdem ich diesen Bericht jetzt an meinem letzten Arbeitstag schreibe, muss ich sagen: Dort zu arbeiten ist viel besser als Schule.

Unser Schülerpraktikant Iason sitzt am Schreibtisch und zeichnet frei Hand ein neues Motiv für unsere Grußkarten-Edition.
Die fertige Grußkarte mit Iasons Osterlamm können Sie bei uns bestellen.